Brahms-Requiem in Frohnau

Sonntag, 17. Februar 2019, 19 Uhr Johanneskirche Frohnau

bearbeitet für Harmonium, Klavier, Solisten und Chor von Jörg Walter
Christina Elbe, Sopran
Tye Maurice Thomas, Bass
Jörg Walter, Harmonium
Stephanie Hoernes, Klavier
Cantorei der Reformationskirche
Kammerchor Adoramus (Słubice, PL)
Leitung: Johannes Stolte

Es ist ein großes sinfonische Trostoratorium – eine Musik, die bis heute viele Menschen zutiefst berührt. Brahms‘ im kirchlich-theologischen Sinne sehr zurückhaltende und ganz allgemein auf Trost und Trösten fokussierte Textzusammenstellung hat neben der unübertroffenen musikalischen Gestaltung wohl nicht ganz unwesentlich für die breite Anerkennung gesorgt, die er hierfür erhalten hat. Johannes Brahms fand für sein Requiem-Libretto Bibelworte fernab des kirchlichen Dogmas, in denen seine persönliche und künstlerische Sicht auf die „letzten Dinge“ aufscheint; dabei war er mit Anfang dreißig noch ein junger Mann. Das Werk bedeutete seinen Durchbruch als Komponist und ist bis heute eines der meist aufgeführten sinfonischen Chorwerke, hat also universellen Charakter und berührt Menschen unabhängig von ihrem weltanschaulichen Hintergrund.

Alle Komponisten der Romantik waren Suchende in einer Welt, die aus den Fugen geriet. Sie bewegten sich im Zwischenbereich von Schmerz und Liebe, Tod und Erfüllung. Kein Wunder, war doch das spätere 19. Jahrhundert eine Epoche rasanter Veränderungen angesichts der Evolutionstheorie, Religionskritik, der Industrialisierung und der Gründung der Nationalstaaten. Religion wurde besonders in gebildeten Kreisen weitgehend der Privatsphäre zugeordnet, Natur oder Kunst wurden zu Ersatzreligionen. Brahms verstand die Bibel mehr als Dichtung, denn als göttliche Offenbarung, sie war für ihn ein Steinbruch, dem er Teile entnahm, die seinem Glauben entsprachen und ihn als Komponisten inspirierten — ganz anders als Liszt und vor allem Bruckner, die einem von Rom betriebenen restaurativen Katholizismus verbunden waren.

Aufgrund der großen Beliebtheit des Werkes sind die verschiedensten Bearbeitungen entstanden: So gibt es mehrere Fassungen mit kleinerem Orchester. Karg-Elert hat einzelne Sätze des Requiems für Harmonium solo bearbeitet. Heinrich Poos und andere haben Fassungen für zwei Klaviere statt Orchester geschaffen. Aber auch  Brahms selbst war sein erster eigener Bearbeiter. Von ihm stammt der weit verbreitete hochkarätige Klavierauszug für einen Spieler. Zu diesem Klavierauszug schuf Jörg Walter einen ergänzenden Harmoniumpart. In ihm sind die Schwell- und Halteklänge des Orchesters verarbeitet. Dabei ergänzen sich beide Tasteninstrumente – der rhythmisch akzentuierende aber stets schnell verklingende Flügel und das weiche aber an- und abschwellende Harmonium – ganz vorzüglich. Jörg Walter am Harmonium und Stephanie Hoernes am Flügel werden gemeinsam die Sänger begleiten.

Im Unterschied zur ersten Aufführung dieser Harmoniumversion vor drei Jahren erklingt nun ein deutlich größeres und sehr viel kräftigeres symphonisches Instrument mit Druckwindtechnik. Auch die Noten für diese Aufführung sind noch einmal einer gründlichen Revision unterzogen worden. Damit wird der – ganz ohne Orchester – nur auf den beiden Tasteninstrumenten gespielte Instrumentalpart deutlich reicher und voller klingen als 2016 und dem großen symphonischen Chor ein stärkeres Gegenüber sein. Mit den Solisten Christina Elbe und Tye M. Thomas, mit der Cantorei Reformation und dem Kammerchor Adoramus aus Słubice und dem Dirigenten Johannes Stolte sind an allen Positionen hervorragende Musiker und Ensembles zu erwarten, die diesen Abend sicher zu einem unvergesslichen Erlebnis machen werden.

J. Stolte und J. Walter

Johannes Brahms – Ein deutsches Requiem

Johannes Brahms’ Deutsches Requiem ist eines der musikalischen Schlüsselwerke des 19. Jahrhunderts. Es entstand in einer Hochphase nationalistischer Bewegungen, die beklemmende Aktualität hat. Aber Brahms Abwendung von der „katholischen“ ̶ im Wortsinne „allgemeinen“ ̶ lateinischen Totenmesse liegt nicht das Motiv zugrunde, eine spezifisch deutsche Form des Totengedenkens zu schaffen. Brahms wollte mit seinem ganz besonderen, auf den Trost fokussierten und sprachlich verständlich aus Bibelworten zusammengestelltem Libretto die Menschen unmittelbar emotional ansprechen.
In diesem Sinne soll das Verbindende dieses Werkes auch Leitgedanke des deutsch-polnischen Kooperationsprojektes der Cantorei der Reformationskirche Berlin-Moabit, des Berlin-Brandenburgischen Sinfonieorchesters und des Adoramus-Chores Słubice sein. In einer Zeit, in der das historisch belastete Verhältnis beider Ländern auf politischer Ebene erneut auf der Probe steht.
Dem Brahms-Werk werden zwei polnische Chorstücke der Komponisten Paweł Łukaszewski und Józef Świder gegenüber gestellt, die das Spannungsverhältnis aus Trauer und Trost, Sehnsucht und Erfüllung in eine neoromantischen Klangsprache des 20./21. Jahrhunderts bringen. Die Vertonung des letzten Briefes des Heiligen Maximilian Kolbe an seine Mutter von Łukaszewski, verfasst kurz vor dessen Tod 1941 in Auschwitz, greift das intime Verhältnis zwischen Mutter und Kind auf, wie es auch im Brahms-Requiem eine wichtige Rolle spielt, und ist gleichzeitig ein bedrückendes Zeugnis der deutschen Gewaltherrschaft über Polen.
Über 120 Mitwirkende werden in diesem Projekt Grenzen überschreiten und in drei Konzerten in Berlin und Słubice ein Zeichen der Verständigung nach außen tragen.

Einführungstext zum Konzert

48 Stunden Fläming: Orgelkonzert mit Bach, Mendelssohn und mehr

Am morgigen Samstag, den 8. September, findet um 14.30 Uhr ein Orgelkonzert im Rahmen der Aktion “48 Stunden Fläming” an der frisch (teil-)restaurierten Baer-Orgel in der Niemegker Johanniskirche, dem größten Musikinstrument im Landkreis Potsdam-Mittelmark, statt.
Es erklingen unter dem Motto “Fünf Kontraste” Werke von Bach, Mendelssohn, Rheinberger und estnischen Komponisten.

Das vielfältige Programm von “48 Stunden Fläming”, ein Fahrplan für den Shuttle-Bus und weitere Informationen sind hier zu finden: www.flaeming-havel.de

Für Kurzentschlossene: Lange Nacht der Chöre…

…mit der Cantorei der Reformationskirche, dem Adoramus Chor Słubice, dem Berlin-Brandenburgischen Sinfonieorchester und vielen weiteren Ensembles. Es werden Ausschnitte aus Brahms‘ Deutschem Requiem, englische Chormusik und viele weitere Stücke aus dem Repertoire der Chöre aufgeführt. Der Eintritt ist wie immer frei und für Verpflegung ist gesorgt – heute Abend ab 18 Uhr in der Reformationskirche Berlin.

3. Juni: Orgelkonzert in der Reformationskirche

Herzliche Einladung zum Orgelkonzert am kommenden Sonntag, den 3. Juni, um 18.30 Uhr, in der Reformationskirche Berlin-Moabit. Das Konzert steht unter dem Motto “Gesänge der Vögel”, es erklingen Werke von Bach, Messiaen, Couperin u.a.
Der Eintritt ist frei, eine Spende am Ausgang wird erbeten.

Verleih uns Frieden: Konzert mit dem Staats- und Domchor

Der Kapellchor des Staats- und Domchores beschäftigt sich im großen Gedenkjahr 2018 (400 Jahre Beginn des 30-jährigen Krieges, 100 Jahre Ende des Ersten Weltkrieges) mit Musik zum Thema Krieg und Frieden und singt von Angst und Bedrängnis, aber auch von Trost und Hoffnung. Es erklingen Werke für Chor und Orgel u.a. von Bach, Mendelssohn und Chilcott.

Samstag, 14. April 2018, 17 Uhr
Pauluskirche Berlin-Zehlendorf
Kapellchor des Staats- und Domchores
Orgel: Felix Hielscher
Leitung: Johannes Stolte

Rossini: Petite Messe Solennelle

Gioachino Rossini (1792-1868)
Petite Messe solennelle

Sopran: María Konráðsdóttir
Mezzosopran: Anna Smith
Tenor: Daniel Arnaldos
Bariton: Wilko Reinhold
1. Klavier: Nicolas Bajorat
Harmonium: Jörg Walter

Leitung: Johannes Stolte

1. Konzert
Sonnabend, 21. April 2018, 19 Uhr
Reformationskirche Berlin-Moabit
Beusselstr. 35, 10553 Berlin
Eintritt: 12 Euro; ermäßigt 8 Euro

2. Konzert
Sonntag, 22. April 2018, 17 Uhr
Jüterbog, St. Nikolai
Nikolaikirchplatz 1, 14913 Jüterbog
Eintritt: 12 Euro; ermäßigt 8 Euro

Einführungstext zum Konzert (pdf) unter:
www.cantorei.de

Weihnachtskonzerte mit Mendelssohn!

Am 9. Dezember 2017, 19 Uhr in der Reformationskirche (Leitung Johannes Stolte) sowie
am 10. Dezember 2017, 16 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche Kreuzberg in unmittelbarer Nähe zu Mendelssohns Grab auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof (Leitung Jens Albert):

Gedanken zum Mendelssohn-Weihnachtskonzert 2017

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen. […] Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Mit diesen rätselhaften und poetischen Worten beginnt das Johannes-Evangelium. Eine ganze theologische Welt öffnet sich hier. Der Dualismus zwischen Licht und Finsternis ist ein Grundprinzip der Weihnachtsbotschaft und spiegelt sich in unseren Bräuchen: Gott kommt in die dunkle Welt und erleuchtet die Menschen, wir entzünden Kerzen an Bäumen, auf Kränzen und Tischen.

In Mendelssohns Zweiter Sinfonie, die er als „Sinfonie-Kantate“ bezeichnet, ist der Antagonismus zwischen Dunkelheit und Licht, Nacht und Tag allgegenwärtig. Insofern passt das Werk in ein weihnachtliches Programm. Ursprünglich komponiert wurde der „Lobgesang“ allerdings zum 400-jährigen Gedenken an die Erfindung des Buchdruckes, ein Umstand, der zu einer weiteren Idee von „Licht“ führt. Der Buchdruck hat die Reformation erst ermöglicht, und zwar durch die günstige Massenverbreitung von Schriftstücken – vorher war die Herstellung von Büchern höchst aufwendig und Wissen somit ein Luxusgut für auserwählte Kreise.

Martin Luther hingegen setzt sich für Mündigkeit in Glaubensfragen ein und damit für die Befreiung von theologischen Zwängen in der katholischen Kirche. Luthers Ideen führen in seiner Nachfolge von geistlicher Gedankenfreiheit zum „Gebrauch des eigenen Verstandes“, wie der Philosoph Immanuel Kant formuliert. Musikalisch findet diese Idee der Aufklärung einen Widerhall in Joseph Haydns „Schöpfung“, die die Cantorei im vergangenen Jahr aufgeführt hat. Wie in der „Schöpfung“ steht im “Lobgesang” das Licht als Antagonist zum Chaos und erfährt eine höchst wirkungsvolle Darstellung im triumphalen C-Dur. Diese „reine“ Tonart ohne Vorzeichen findet auch in der Choralkantate „Vom Himmel hoch“ reichlich Verwendung – dem ersten Stück des heutigen Abends.

Dies führt uns zu einem dritten möglichen Höransatz für das Konzert: Das Einstehen für Grundwerte, die für unser heutiges Zusammenleben essentiell sind, aber von vielen Seiten bedroht werden. „So lasst uns […] anlegen die Waffen des Lichts“, diese zunächst martialisch anmutende Aufforderung, kann Sinne eines aufgeklärten Protestantismus als Ermunterung zur Besinnung auf die Kraft des Verstandes gedeutet werden.

Die Kantate „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ basiert nach dem Vorbild der Choralkantaten Johann Sebastian Bachs auf Luthers berühmtem gleichnamigen Weihnachtslied. Ironischerweise ließ sich Mendelssohn zu dieser Verarbeitung eines „urlutherischen“ Gesanges ausgerechnet auf seiner Reise ins katholische Italien auf den Spuren Goethes inspirieren. Er hatte ein kleines Buch mit Luther-Liedern dabei, deren musikalischen Gehalt er im Verlauf der Reise wertschätzen lernte. Die Vertrautheit mit den Bachschen Werken, die er in der Berliner Sing-Akademie ausführlich studiert hatte, ist in der Kantate deutlich hörbar – und doch ist es in Gestus und Farbe ein typischer „Mendelssohn“, in dem man auch die Landschaft und das Licht Italiens hören kann.

Lange Nacht der Chöre 2017

Am 9. September findet ab 18 Uhr die 13. Lange Nacht der Chöre in der Reformationskirche Berlin-Moabit statt. Mehr als zwei Dutzend Chöre bringen die Kirche im Laufe des Abends zum Klingen, bevor um 1 Uhr nachts alle gemeinsam das Abendlied von J. Rheinberger anstimmen. Herzliche Einladung zu einer entdeckungsreichen Nacht!