2x Magnificat und Krönungsmesse

Für den erkrankten Philipp Jekal ist Martin Backhaus kurzfristig als Bariton eingesprungen.

Am 8. Dezember 2019 um 17 Uhr (Heilig-Kreuz-Kirche, Zossener Str. 65) singt die Kantorei Passion das Magnificat von Carl Philipp Emanuel Bach und die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart.
Der zweite Sohn J.S. Bachs hat sein Magnificat 1749 wahrscheinlich als Bewerbungsmusik für die Thomaskirche in Leipzig geschrieben, das Werk aber auch später immer wieder zur Hand genommen und für wechselnde Aufführungsbedingungen bearbeitet. Bedeutsam ist vor allem das Konzert 1786 in Hamburg, wo er sein Magnificat mit dem Credo aus der h-Moll-Messe seines Vaters und Auszügen aus Händels Messias aufgeführt hat. Offenbar hat er sich in die Tradition seiner Elterngeneration gestellt, auch wenn er stilistisch ganz neue Wege beschritt: Die Musik sprüht vor mitreißenden Einfällen und sucht die Extreme, etwa wenn der Ruf nach dem Erbarmen Gottes den Chor in höchste Lagen führt oder wenn das kleine Wort „Amen“ in eine 181 Takte lange Schlussfuge mündet.

W.A. Mozart verehrte J.S. Bach und seine Söhne sehr und kannte ihre Werke gut. Seine „Krönungsmesse“ entstand für einen Festgottesdienst in Salzburg, möglicherweise in der Tat zur Krönung eines weltlichen Herrschers, wo der Gottesdienst einen engen zeitlichen Rahmen hatte. Die Musik ist daher bei aller Prachtentfaltung sehr komprimiert und besticht durch typisch Mozartschen Ideenreichtum und formale Geschlossenheit. Kern der Vertonung ist das Credo, in dem wiederum die Menschwerdung Gottes besonderen Raum einnimmt – insofern schließt sich hier der Bogen zur Verheißung des Magnificats, in dem die Geburt des Heilands angekündigt wird.

Kontrastiert werden die beiden Werke durch ein Magnificat von Dieter Schnebel (1930-2018), der den revolutionären, politischen Impetus des Textes unmittelbar in Klänge zu übersetzen versucht. Gregorianische Gesänge werden durch Cluster- und Schlagzeugklänge begleitet und verfremdet, zarte Farben stehen schroff neben einem Aufschrei über die Ungerechtigkeit in der Welt. Auch wenn das Stück bereits in den 1990er Jahren entstanden ist, sah Schnebel dessen Aktualität durch die Situation der Flüchtlinge an den Grenzen und innerhalb Europas bestätigt.

Ein Adventskonzert also, in dem neben Vorfreude und weihnachtlichem Glanz auch die Klage über den Zustand der Welt Platz finden soll, das die Weihnachtsbotschaft „Friede auf Erden!“ umso dringender werden lässt.
Karten zu 20€/erm. 15€ (unter 30 Jahren: 5€) gibt es am Konzerttag ab 16.15 Uhr an der Abendkasse.

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