Johannes Brahms – Ein deutsches Requiem

Johannes Brahms’ Deutsches Requiem ist eines der musikalischen Schlüsselwerke des 19. Jahrhunderts. Es entstand in einer Hochphase nationalistischer Bewegungen, die beklemmende Aktualität hat. Aber Brahms Abwendung von der „katholischen“ ̶ im Wortsinne „allgemeinen“ ̶ lateinischen Totenmesse liegt nicht das Motiv zugrunde, eine spezifisch deutsche Form des Totengedenkens zu schaffen. Brahms wollte mit seinem ganz besonderen, auf den Trost fokussierten und sprachlich verständlich aus Bibelworten zusammengestelltem Libretto die Menschen unmittelbar emotional ansprechen.
In diesem Sinne soll das Verbindende dieses Werkes auch Leitgedanke des deutsch-polnischen Kooperationsprojektes der Cantorei der Reformationskirche Berlin-Moabit, des Berlin-Brandenburgischen Sinfonieorchesters und des Adoramus-Chores Słubice sein. In einer Zeit, in der das historisch belastete Verhältnis beider Ländern auf politischer Ebene erneut auf der Probe steht.
Dem Brahms-Werk werden zwei polnische Chorstücke der Komponisten Paweł Łukaszewski und Józef Świder gegenüber gestellt, die das Spannungsverhältnis aus Trauer und Trost, Sehnsucht und Erfüllung in eine neoromantischen Klangsprache des 20./21. Jahrhunderts bringen. Die Vertonung des letzten Briefes des Heiligen Maximilian Kolbe an seine Mutter von Łukaszewski, verfasst kurz vor dessen Tod 1941 in Auschwitz, greift das intime Verhältnis zwischen Mutter und Kind auf, wie es auch im Brahms-Requiem eine wichtige Rolle spielt, und ist gleichzeitig ein bedrückendes Zeugnis der deutschen Gewaltherrschaft über Polen.
Über 120 Mitwirkende werden in diesem Projekt Grenzen überschreiten und in drei Konzerten in Berlin und Słubice ein Zeichen der Verständigung nach außen tragen.

Einführungstext zum Konzert